Offener Brief an "kontraste"-Redaktion (rbb/ARD)

rbb Fernsehen
Redaktion kontraste
Masurenallee 8-14
14057 Berlin
Herrn Reinhard Borgmann

24. August 2007


Offener Brief
Betr.: Sendebeitrag vom 09.08.2007 unter dem Titel „Keine Kontrolle, keine Sanktionen – Patienten sind gefährlichen Heilpraktikern ausgeliefert“ von Caroline Walter und Alexander Kobylinski


Sehr geehrter Herr Borgmann,

der UNION DEUTSCHER HEILPRAKTIKER gehören nahezu 6000 Heilpraktiker in Deutschland an, die durch mich als Präsidentin vertreten werden. Ich habe lange gezögert, ob und wie ich auf einen Sendebeitrag reagiere, der unter dem oben genannten Titel wie eine Hetze gegen meine Berufsgruppe wirkte. Die Sendung polemisierte in Wort und Bild gegen die Berufsgruppe der Heilpraktiker, die gerade auf der Seite der Menschen steht, die ihre Hilfe brauchen. Die Arbeit der Kollegen in Tausenden Praxen, die täglich abertausenden Menschen Hilfe bringt, verdient es jedoch, auf diesen Beitrag zu reagieren.

Verfahren wie Akupunktur oder Homöopathie, die sanft und kostensparend sind, hätten ohne die erfolgreiche Arbeit der Heilpraktiker in Deutschland nie den hohen Stellenwert erreicht. Die Erfolge der Heilpraktiker machten Ärzte erst aufmerksam, und jetzt ist es normal, dass mindest eine der beiden Methoden auch vom Schulmediziner angewendet wird.

Zunächst bin ich mit Ihnen sicher einer Meinung: Niemand – kein Arzt und kein Heilpraktiker übt seinen Beruf aus mit dem Vorsatz, Menschen schaden zu wollen.

Wir haben eine wunderbare Kultur in unserem Land, die durch die Verinnerlichung des Grundgesetzes die Regeln des menschlichen Umgangs miteinander bestimmt. In unserer Kultur hat sich zum Wohle der Gesellschaft durchgesetzt: Keine Verurteilung ohne die Berücksichtigung aller Fakten. Beklagter und Klagender haben bis zur Be-(Ver-)urteilung das gleiche Recht gehört zu werden. Seriöser Journalismus zeichnet sich für mich in der Übung dieser erworbenen Kultur aus. Das vermisse ich in dem von Ihnen ausgestrahlten Beitrag. Er zeugt von sehr mangelhafter und tendenziöser Recherche und Berichterstattung.

Wenn die erhobenen Vorwürfe wirklich stimmen, so versichere ich Ihnen, dass auch ich als Vertreterin des Berufsstandes entsetzt bin. Die Handlungen und Aussagen widersprechen jeglicher Lehrmeinung des Heilpraktikers.

Wir bilden unsere Kollegen in zahlreichen Fortbildungs-Maßnahmen aus. Qualität wird im Beruf und den Ausbildungsinhalten der Heilpraktiker groß geschrieben. Injektionstechniken, pharmazeutische Kenntnisse, Gefahrenabwehr zum Wohle der Patienten, Umgang mit Notfallsituationen und das Vermeiden solcher gehören zur normalen Aus- und Weiterbildung.
Unsere Kollegen nehmen an diesen Qualitätskursen in breiter Basis regelmäßig teil.

Lassen Sie mich zu einigen Aussagen in dem genannten Beitrag direkt Stellung beziehen:

• Der Heilpraktiker besitzt sehr wohl eine Berufsordnung – sie nennt sich BOH, Berufsordnung für Heilpraktiker. (siehe http://www.udh-bundesverband.de /Heilpraktiker als Beruf / Berufsordnung)
• Sollte die in Ihrem Beitrag genannte Heilpraktikerin wirklich das Absetzen der schulmedizinischen Mittel verlangt haben, so ist das nicht Standard in Heilpraktikerpraxen.
• Sie sehen die „Schuld“ an fehlerhaftem Verhalten in einem Gesetz aus dem Jahre 1939. Wird das bewusst falsch mit einem totalitären Staatssystem in Verbindung gebracht? Die Qualität eines Gesetzes liegt wohl kaum an seinem Alter und kann auch nicht gemindert werden durch Personen, die es nicht beachten.
• Wenn Ihre Kollegen richtig recherchiert hätten, wüssten sie, dass das Heilpraktikergesetz verfasst wurde, um den Heilpraktiker aussterben zu lassen. Ein freier Beruf wie der des Heilpraktikers passte nicht in ein totalitäres System, das Kontrolle über Freiheit setzte.
• Die Verbände haben bei Problemen immer schon Schlichtungs- und Beschwerdestellen eingerichtet, warum haben Sie dort nicht auch nachgefragt oder recherchiert?
Solche massiven Beschwerden wie in Ihrem Fall sind noch nie vorgekommen, was mit Sicherheit dokumentiert, wie sehr sie absolute Ausnahmefälle sind. Und ich frage aus der jahrelangen Praxis meiner Geschäftstelle heraus erstaunt, auf wie viele Fälle sich ein Amtsarzt in Köln bezieht mit seiner im Beitrag gemachten Aussage?
• Wie kommen Ihre Redakteure darauf, dass der Heilpraktiker keine Dokumentationspflicht hat? Zum Schutz des Patienten und zum eigenen Schutz muss er dokumentieren, welche Maßnahmen er wann durchgeführt hat. Ohne eine sorgfältige Dokumentation wäre er bei jedem Rechtsstreit unterlegen und wäre bei einer Schädigung des Patienten ruiniert. (siehe auch hier die oben erwähnte Berufsordnung der UDH und der anderen Heilpraktikerverbände)

Ihre Sendung wirft lange Schatten auf meine bisherige Meinung und vieler indirekt betroffener Heilpraktiker und Patienten, bei der ARD auf eine seriöse Berichterstattung zu hoffen. Denn Millionen Menschen haben andere Erfahrung bei der Behandlung von Heilpraktikern gemacht. Ihnen wurde durch die Leistung der Heilpraktiker geholfen. Sie haben durch solch tendenziöse redaktionelle Beiträge weder Nutzen noch werden die hohen Erwartungen an einen öffentlich-rechtlichen Sender erfüllt, für dessen Programminhalte auch noch Gebühren abverlangt werden.

Ich bitte um Ihre Stellungnahme.

Mit freundlichen Grüßen

Monika Gerhardus
Präsidentin

UNION DEUTSCHER HEILPRAKTIKER
Bundesverband
Waldstr. 21 61137 Schöneck Tel 06187-990603 Fax 06187-9928075
e-mail: kontakt@udh-bundesverband.de home: www.udh-bundesverband.de