Rückblick zum Heilpraktikerkongress 2007

Juni 2007

- Die Naturheilkunde ist ein prosperierendes Marktsegment im deutschen Gesundheitswesen
- Nach Umfragen wird die Naturheilkunde immer beliebter und geschätzter


Derzeit praktizieren aktiv rund 14.000 der etwa 20.000 in Deutschland lebenden Heilpraktiker. „Die Summe der Abrechnungen für Heilpraktikerbehandlungen belaufen sich pro Jahr auf rund eine Milliarde Euro. Das ist sogar eine nur vorsichtige Schätzung, die durchaus auch etwas höher ausfallen kann. Dazu kommen noch die Verschreibungen für naturheilkundliche Medikamente, die etwa 800 Mio. Euro im Jahresschnitt erreichen“, mit diesen beeindruckenden Zahlen eröffnete Monika Gerhardus als Organisatorin und Gastgeberin den diesjährigen Deutschen Heilpraktikerkongress in Karlsruhe. Unter dem Motto „Der Heilpraktiker - Kompetenz für traditionelle und neue Heilweisen“ trafen sich am vergangenen Wochenende zum siebzehnten Mal knapp 4.000 Heilpraktiker und Naturheilkundler aus ganz Deutschland in der badischen Metropole.

„Immer mehr Menschen greifen zu Naturheilmitteln“, lautete kurz und prägnant auch das Fazit des Eröffnungsvortrages von Dr. Edgar Piel, Meinungsforscher beim Institut für Demoskopie in Allensbach am Bodensee. Diese Entwicklung hat ihre Geschichte: 1970 waren es erst 52 Prozent der Bevölkerung. Wie die neuesten Daten der Allensbacher Langzeitstudie „Markt- und Werbeträger-Analyse“ belegen, benutzen heute im Krankheitsfall oder bei Befindlichkeitsstörungen mehr als 70 Prozent der Bürger Arzneimittel aus dem Naturheilmittelbereich. Erheblich dazu beigetragen hat der Trend zur Selbstmedikation.

Der typische Patient, der sich in die Behandlung eines Heilpraktikers begibt, entspricht ohne Abstriche dem Bild des deutschen Durchschnittsbürgers. Abweichend ist allenfalls das Verhältnis zwischen weiblichen und männlichen Patienten; mit gut 60 Prozent überwiegt der Frauenanteil in der Patientenschaft.

Bei zwei Drittel der Bevölkerung, so das Umfrageergebnis der Allensbacher Demoskopen, hat sich mittlerweile auch die Auffassung durchgesetzt:, dass man nicht gleich wegen jeder Kleinigkeit zum Arzt zu gehen müsse. Nach Angaben von Dr. Piel sagten das vor 30 Jahren 44 Prozent, heute schon 66 Prozent der Befragten. Besonders die Furcht vor Nebenwirkungen chemischer Arzneimittel macht den positiven Trend hin zur Naturmedizin deutlich. 38 Prozent der Bevölkerung schätzen die negativen Nebenwirkungen der modernen Pharmazie als „groß“ ein. Bei den Naturheilmitteln wird das Risiko dagegen nur von einem Prozent der Befragten als “groß" eingestuft. 82 Prozent der Verwender von Naturheilmitteln halten die Gefahr von Nebenwirkungen sogar nur für “gering”.

Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hatte im November vergangenen Jahres 1.000 Bundesbürger über ihr Wissen und ihre Einstellungen zur Homöopathie befragt. Ergebnis: Für etwa 75 Prozent der Befragten war Homöopathie ein fester Begriff – zehn Prozentpunkte mehr als zehn Jahre zuvor. Jeder fünfte Befragte vertraut dabei dieser Therapieform voll und ganz.

Die aktuellen Ergebnisse belegen eindrucksvoll, dass die Naturmedizin für eine immer größere Zahl von Menschen mittlerweile unverzichtbar geworden ist: 81 Prozent der Bundesbürger würden die Naturmedizin im Falle einer Erkrankung einem rein chemisch definierten Medikament vorziehen, 92 Prozent versprechen sich sogar eine bessere Wirksamkeit und weniger Nebenwirkungen. Dabei steht die Tendenz, mehr und mehr auf Naturheilmittel zurückzugreifen, im direkten Zusammenhang mit einem kulturellen Wandel im Alltag, in dessen Verlauf die "kleinen privaten Netze der Kommunikation“ mehr und mehr an Bedeutung gewonnen haben. Rund jeder zweite Befragte vertraut beim Thema Naturmedizin den Heilpraktikern – in etwa auf gleicher Linie mit dem Arzt und Apotheker. In vergleichbarer Größenordnung liegt selbst der Rat aus der Familie, dem Freundes- oder Bekanntenkreis.

Naturmedizin ist der großen Mehrheit der Bevölkerung vertraut. Neben der breit genutzten Homöopathie haben jeweils fast 40 Prozent der Befragten häufig oder sogar sehr häufig auch auf phytotherapeutische Medikamente oder auf die Einnahme von Vitaminen, Mineralstoffen oder Spurenelementen zurückgegriffen. Naturheilmittel dienen dabei vornehmlich zur Vorbeugung und Stärkung des Immunsystems und bei Befindlichkeitsstörungen. Für eine "gute und gesicherte Qualität" sind mehr als drei Viertel der Befragten bereit, zusätzliches Geld auszugeben. Bei naturmedizinischen Produkten asiatischer Herkunft sind deutsche Patienten allerdings misstrauisch und skeptisch, ob die importierte Naturheilmedizin aus dem fernen Osten auch deutschen Qualitätsanforderungen entspricht. An zwei Veranstaltungstagen offerierte der diesjährige Deutsche Heilpraktikerkongress ein umfangreiches Vortrags- und Seminarprogramm.

Insgesamt rund fünfzig Referenten waren dazu aus dem gesamten Bundesgebiet angereist. Die weitgefasste Themenpalette des Vortragsprogramms reichte von Allergien, über das Immunsystem bis hin zur Schmerzbehandlung. Auch die gesunde Ernährung als präventive Gesundheitsmaßnahme wurde während des Kongresses als gezielte Maßnahme der Naturheilkunde behandelt.

Die DDH als Zusammenschluss der sechs größten Heilpraktikerverbände - Bund Deutscher Heilpraktiker (BDH), Fachverband Deutscher Heilpraktiker (FDH), Freie Heilpraktiker (FH), Freier Verband Deutscher Heilpraktiker (FVDH), Union Deutscher Heilpraktiker (UDH) und Verband Deutscher Heilpraktiker (VDH) - vertritt rund 90 Prozent aller deutschen Heilpraktiker und gilt damit als maßgeblicher Ansprechpartner in allen berufsständischen Fragen.

Kontakt: Deutscher Heilpraktikerkongress 2007
Organisationsleitung Monika Gerhardus
Waldstr. 14, 61137 Schöneck
Tel.: 06187/990603, Fax: 06187/9928075
e-mail: kongress-karlsruhe@ddh-online.de