Die Naturheilkunde ist ein prosperierendes Marktsegment im deutschen Gesundheitswesen

Februar 2008

Nach Umfragen wird die Naturheilkunde immer beliebter und geschätzter

Derzeit praktizieren aktiv rund 14.000 der etwa 20.000 in Deutschland lebenden Heilpraktiker. „Die Summe der Abrechnungen für Heilpraktikerbehandlungen belaufen sich pro Jahr auf rund eine Milliarde Euro. Das ist sogar eine nur vorsichtige Schätzung der Abrechnungsstelle soliprax e.K., die durchaus auch etwas höher ausfallen kann. Dazu kommen noch die Verschreibungen für naturheilkundliche Medikamente, die etwa 800 Mio. Euro im Jahresschnitt erreichen“, schätzt Monika Gerhardus, Präsidentin der UNION DEUTSCHER HEILPRAKTIKER e.V. (UDH).

„Immer mehr Menschen greifen zu Naturheilmitteln“, lautete kurz und prägnant auch das Fazit von Dr. Edgar Piel, Meinungsforscher beim Institut für Demoskopie in Allensbach am Bodensee, zur aktuellen Situation der Naturheilkunde in Deutschland. Diese Entwicklung hat ihre Geschichte: 1970 waren es erst 52 Prozent der Bevölkerung. Wie die neuesten Daten der Allensbacher Langzeitstudie „Markt- und Werbeträger-Analyse“ belegen, benutzen heute im Krankheitsfall oder bei Befindlichkeitsstörungen mehr als 70 Prozent der Bürger Arzneimittel aus dem Naturheilmittelbereich. Erheblich dazu beigetragen hat der Trend zur Selbstmedikation.

Der „typische“ Patient des Heilpraktikers

Der „typische“ Patient, der sich in die Behandlung eines Heilpraktikers begibt, entspricht ohne Abstriche dem Bild des deutschen Durchschnittsbürgers. Abweichend ist allenfalls das Verhältnis zwischen weiblichen und männlichen Patienten; mit gut 60 Prozent überwiegt der Frauenanteil in der Patientenschaft. Bei zwei Drittel der Bevölkerung, so das Umfrageergebnis der Allensbacher Demoskopen, hat sich mittlerweile auch die Auffassung durchgesetzt, dass man nicht gleich we¬gen je¬der Klei¬nig¬keit zum Arzt zu gehen müsse. Nach Angaben der Allensbacher Meinungsforscher sag¬ten das vor 30 Jahren 44 Pro¬zent, heu¬te schon 66 Pro¬zent der Befragten. Besonders die Furcht vor Ne¬ben¬wir¬kun¬gen che-mi¬scher Arz¬nei¬mit¬tel macht den positiven Trend hin zur Naturmedizin deut¬lich. 38 Pro¬zent der Be¬völ¬ke¬rung ¬schätzen die negativen Ne¬ben¬wir¬kun¬gen der modernen Pharmazie als „groß“ ein. Bei den Na¬tur¬heil¬mit¬teln wird das Risiko da¬ge¬gen nur von ei¬nem Pro¬zent der Befragten als “groß" ein¬ge¬stuft. 82 Prozent der Verwender von Naturheilmitteln halten die Gefahr von Nebenwirkungen sogar nur für “gering”.

Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hatte im November 2006 rund 1.000 Bundesbürger über ihr Wissen und ihre Einstellungen zur Homöopathie befragt. Ergebnis: Für etwa 75 Prozent der Befragten war Homöopathie ein fester Begriff – zehn Prozentpunkte mehr als zehn Jahre zuvor. Jeder fünfte Befragte vertraut dabei dieser Therapieform voll und ganz.

Diese Ergebnisse belegen, dass die Naturmedizin mittlerweile für eine immer größere Zahl von Menschen unverzichtbar geworden ist: 81 Prozent der Bundesbürger würden die Naturmedizin im Falle einer Erkrankung einem rein chemisch definierten Medikament vorziehen, 92 Prozent versprechen sich sogar eine bessere Wirksamkeit und weniger Nebenwirkungen. Dabei steht die Tendenz, mehr und mehr auf Naturheilmittel zurückzugreifen, im direkten Zusammenhang mit einem kulturellen Wandel im Alltag, in dessen Verlauf die "kleinen privaten Netze der Kommunikation“ mehr und mehr an Bedeutung gewonnen haben. Rund jeder zweite Befragte vertraut beim Thema Naturmedizin den Heilpraktikern – in etwa auf gleicher Linie mit dem Arzt und Apotheker. In vergleichbarer Größenordnung liegt selbst der Rat aus der Familie, dem Freundes- oder Bekanntenkreis.

Naturmedizin ist der großen Mehrheit der Bevölkerung vertraut

Naturmedizin ist der großen Mehrheit der Bevölkerung vertraut. Neben der breit genutzten Homöopathie haben jeweils fast 40 Prozent der Befragten häufig oder sogar sehr häufig auch auf phytotherapeutische Medikamente oder auf die Einnahme von Vitaminen, Mineralstoffen oder Spurenelementen zurückgegriffen. Naturheilmittel dienen dabei vornehmlich zur Vor¬beu¬gung und Stärkung des Immunsystems und bei Befindlichkeitsstörungen. Für eine "gute und gesicherte Qualität" sind mehr als drei Viertel der Befragten bereit, zusätzliches Geld auszugeben.

Die UNION DEUTSCHER HEILPRAKTIKER e.V. und ihre bundesweit rund 6.000 Mitglieder sind Verfechter der Naturheilkunde als sinnvolle Ergänzung zur Schulmedizin. Zwischen schulmedizinischen und alternativen Heil- und Behandlungsmethoden muss es einen qualitätsorientierten Wettbewerb geben und damit auch eine Chancengleichheit.

Es gibt keine Allheilmethode

Fakt ist: Es gibt keine Allheilmethode – weder in der Schulmedizin noch in der komplementären Heilkunde. Eine Patientenumfrage in naturheilkundlichen Kliniken ergab, dass 97,6 Prozent der Befragten die alternativen Heilverfahren für eine sinnvolle Ergänzung der Schulmedizin halten. Mehr als die Hälfte der rund 200 befragten Patienten hatten ganz konkret schlechte Erfahrungen mit der Schulmedizin gemacht. Viele Patienten wollen nicht mehr als „Fall“ sondern wieder als Mensch behandelt werden und sehnen sich nach Zuwendung und ganzheitlicher Behandlung. Dazu gehört auch eine partnerschaftliche offene Behandler-Patienten-Beziehung. Nicht der Computer sagt, welche Behandlung jetzt noch vom Gesundheitssystem bezahlt wird, sondern die Notwendigkeit einer Behandlung für die vorliegende Erkrankung! Britische Forscher der Universität York fanden heraus, dass Therapeuten, die Ihre Patienten im „Kasernenton“ kommandieren, weitaus schlechtere Heilungserfolge erzielen als Kollegen, die freundlich und warmherzig auf Symptome und Erkrankungen eingehen. Therapeutische Erfolge können eben nicht allein nur durch das reine Rezeptausstellen und wissenschaftliche Studienergebnisse erzielt werden.

Die Heilpraktiker beherrschen ihre naturheilkundlichen Methoden

Die Palette der naturheilkundlichen Behandlungsmethoden ist umfassend – von der Akupunktur über die Homöopathie, Kneipp`sche Wasseranwendungen bis hin zu traditionellen Methoden und Anwendungen wie Irisdiagnose, Schröpfen oder die Behandlung mit Blutegeln. Eine moderne Methode zur Diagnose und Behandlung ist die Bioresonanztherapie. Im Gegensatz zur Schulmedizin, die oft nur die Symptome behandelt, setzt die Naturheilkunde auf die Selbstheilungskräfte des Körpers und eine gezielte Gesundheitsvorsorge. Die Heilpraktiker beherrschen ihre naturheilkundlichen Methoden ebenso wie die Schulmediziner ihr akademisches Wissen beherrschen. Auch wenn es Gegner der Naturheilkunde nicht wahr haben wollen: Heilpraktiker haben eine langjährige Ausbildung absolviert. Sie müssen laut Gesetz Prüfungen an den Gesundheitsämtern und vor Amtsärzten ablegen, bevor sie ihre Zulassung bekommen. In diesen Prüfungen wird detailliertes medizinisches Wissen und Können verlangt, um sicherzustellen, dass der zukünftige Heilpraktiker keine Gefahr für die Gesundheit seiner Patienten darstellt. Die anschließende ständige Fortbildung ist dabei für jeden Heilpraktiker eine Verpflichtung. Die alternative Heilmethode ist durch den Heilpraktiker in unserem Land zu einer festen Institution geworden, die die Menschen wünschen und suchen.

Pressekontakt:
Monika Gerhardus
Präsidentin der UNION DEUTSCHER HEILPRAKTIKER e.V. (UDH)